Sabine Remy im Interview – Das zweite Leben der Bücher

Schere und Skalpell sind ihre Werkzeuge. Seit acht Jahren schafft die Düsseldorfer Künstlerin Sabine Remy wunderbar verrückte Collagen. Dafür zerschneidet sie neben Zeitschriften neuerdings auch Bücher. Ein Interview.

Für Ihre Collagen zerschneiden Sie nicht nur Zeitschrifen, sondern auch Bücher. Wie groß war die Überwindung?
Für mich waren Bücher immer etwas, mit dem man pfleglich umzugehen hat: keine Eselsohren, nicht reinkritzeln, vor allem nicht wegwerfen oder gar zerstören. Deswegen war die Überwindung, das erste Bild aus einem Buch herauszuschneiden, sehr groß. Inzwischen habe ich mich einigermaßen daran gewöhnt. Nur bei manchen, in meinem Augen besonders kostbaren Schätzen fällt es mir noch immer sehr schwer – und manchmal bleiben sie unberührt.

Was sind das für Bücher, die dran glauben müssen?
Mich interessieren Bücher mit hohem Bildanteil ab etwa 1920 bis ungefähr 1970. Ab den Achtziger Jahren gefallen mir weder Farbigkeit noch Bildsprache. Am liebsten sind mir Bücher aus den Fünfziger Jahren. Und am allerliebster die gebundenen Jahresausgaben des National Geographics – die sind ein Dauerbrenner. Andere Bücher kommen und gehen, das hängt ganz davon ab, woran ich gerade arbeite. Zur Zeit verwende ich gerne „Animals“ von Jim Harter oder auch anatomische Lehrbücher wie zum Beispiel das von Räuber-Kopsch.

Welche Teile des Buchs verwenden Sie, nur die Buchrücken?
Ich verwende auch die Buchrücken – aber nicht ausschließlich. Überwiegend nutze ich das Innenleben der Bücher, also die Bildelemente. Was mich inspiriert wird herausgeschnitten und, sofern ich es nicht sofort für eine Collage verwende, thematisch gesammelt (Köpfe, Augen, Haare, Tiere, Gegenstände …) und für spätere Collagen aufgehoben. Auf dieses Sortiment greife ich sehr gerne zurück.

Im Kunstraum Descartes in Flingern ist gerade eine Ausstellung mit Ihren Arbeiten zu sehen. Sind dort auch Collagen zu sehen, die aus Büchern entstanden sind? Wie reagieren die Besucher darauf?
Für die Ausstellung im Kunstraum Descartes wurden von mir ausschließlich Arbeiten auf Buchrücken gewählt, da diese thematisch zu den Arbeiten der anderen Künstler passen – Hannah Höch, John Heartfield und Steffen Missmahl. Die Reaktionen der Besucher waren positiv. Vielleicht überzeugte der Umstand, dass ich den Büchern respektvoll ein anderes, neues Leben eingehaucht habe.

Was lesen Sie selber gerade?
„Letzte Nacht am Twisted River“ von John Irving.

Welches ist das Buch Ihres Lebens?
Mein Tagebuch.

„Brave New Worlds“ mit Arbeiten von Sabine Remy: bis 4.3., Kunstraum Descartes, Flurstr. 16, Düsseldorf, geöffnet samstags 15-17 Uhr und nach Vereinbarung

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